STIRB AN DEINEM SUPERAIDS!

12.08.2016 | 
Björn Beck |
portrait

HIV hat viel seines Schreckens verloren – zumindest in Sachen Behandlung und medizinischer Erfolg. Was nicht verloren ging, sind Ausgrenzung, Zurückweisung und Stigmatisierung von Menschen, die mit dem Virus leben.

Spätestens die medizinischen Meilensteine der Therapie, Nichtinfektiösität und die daraus resultierende normale Lebenserwartung sollten HIV den letzten Schrecken genommen haben. Leider weit gefehlt!

Immer wieder gibt es haarsträubende Schilderungen, wie mit HIV-Positiven umgegangen wird. Nicht nur im Netz werden Menschen mit HIV beschimpft, beleidigt und ausgegrenzt. Einen aktuellen Fall möchten wir hier vorstellen, um an alle zu appellieren, respektvoll miteinander umzugehen. Cybermobbing und Hatespeech führen durch die Anonymität im Netz schnell zu einem Online-Psychoterror, den die Betroffenen teilweise nur schlecht, oder auch gar nicht aushalten.

Studien haben mehrfach gezeigt: Ausgrenzung, Tabuisierung und Stigmatisierung sind die größten Hindernisse der HIV-Prävention. Wir brauchen einen offenen, sachlichen Umgang mit Sex und Akzeptanz für unterschiedliche Lebenswelten und (sexuelle) Identitäten, um die Prävention erfolgreich zu machen.

 

Ein Interview mit Stephan (35) (Netz)Aktivist und Autor. Er hat 2014 die Diagnose erhalten.


HIG! Du bist im Netz als HIV-positiv geoutet worden. Was ist passiert?

Um es ganz kurz zu machen: Ein Kollektiv aus anonym agierenden Arschlöchern hat angefangen Mails zu versenden, die vor meiner Infektion mit „SUPERAIDS“ (sic!) warnen. Meine Freunde wurden gewarnt, dass sie sich nicht bei mir anstecken sollten. Meine Arbeitsstelle bekam eine ähnliche Email und zuletzt wurde noch der Chaos Computer Club, in dem ich aktiv bin, vor mir gewarnt. Dazu kamen noch Belästigungen und Beleidigungen über Twitter.

HIG! Wie fühlt man sich dabei und wie gehst Du damit um?

Ich versuche ja immer, das an mir abperlen zu lassen. Es hat mich aber dann doch hart getroffen, dass diese Menschen sich auf meinen Tod durch AIDS freuen; dass ich es verdient habe, HIV-positiv zu sein und man mir einen qualvollen Tod wünscht. Zum Glück hatte ich wahnsinnig viel öffentliche Solidarität von Freundinnen und Freunden und selbst Menschen, die mich persönlich nicht mögen, aber solche Belästigungen, egal bei wem, nicht gutheißen. 

Bildschirmfoto 2016-08-10 um 15.07.35

HIG! Im Netz sind so viele Informationen sehr einfach verfügbar. Wieso erreicht man diese Menschen mit den Botschaften und Infos aus deiner Sicht nicht?

Hast Du Dir mal die Präventionsseiten angesehen? Sie richten sich vor allem an homosexuelle Männer, die sich über ihre Sexualität klar sind. Aber was ist mit all den Jugendlichen, die sich ausprobieren? Die „experimentieren“ und sich nicht klar drüber sind, dass diese Infektion mit ungeschütztem Analverkehr übertragen werden kann?

HIG! Deshalb sprechen wir meist von „Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben“. Das ist in Deutschland die Hauptbetroffenengruppe von HIV. Männer, die sich selbst so nicht als „schwul“ definieren, sind schwer zu erreichen, weil sie damit nichts zu tun haben (wollen). Wir sind zum Beispiel auch an Cruising-Orten aktiv und bieten unsere Informationen an. Hast Du eine Idee, wie man die Männer erreichen könnte, die „experimentieren und ausprobieren“?

Ich habe natürlich kein Heilrezept für dieses Problem. Ich glaube aber, dass eine breite Aufklärung stattfinden muss, dass diese „Experimentierphase“ 1. nicht schlimm ist und 2. es egal ob man danach feststellt, hetero-, bi- oder homosexuell zu sein. Dass es nicht die „Männlichkeit“ nimmt, wenn ein Junge mit einem Jungen Spaß im Bett hat – aber dass sich beide trotzdem schützen sollten. 

HIG! Du hattest dein Testergebnis vorher bereits selbst angesprochen. Was war der Grund dafür?

Ich wollte nicht angreifbar sein. Ich bin durch meine aktivistische Arbeit eine Person des öffentlichen Lebens geworden. Spätestens seit ich mein Buch „NEUSTART“ veröffentlicht habe und den vielen Fernsehauftritten (er)kennt man mich über die Szene der Netzaktivisten hinaus. Die Veröffentlichung ist und war ein Schutz vor blöden Gerüchten etc. Immer wenn mich jemand fragt, kann ich auf meinen Blogpost verweisen und sagen: Ja, ich hab das, ich hab das doch schon lange veröffentlicht.

HIG! Das Netzt bietet denen besonderen Schutz, die es für sich zu nutzen wissen. Was rätst Du Menschen, die vielleicht nicht so gelassen auf solche Angriffe reagieren können?

Sprecht mit euren Freunden drüber. Macht die Angriffe öffentlich. Ihr werdet Solidarität erfahren und dem Hass wird viel Liebe entgegen gestellt werden. Solidarität ist eine Waffe. Wir sind doch alle gar nicht alleine. Wir sind viele und wir haben viele Supporter*innen, die sich schützend vor uns stellen, wenn wir angegriffen werden. 

HIG! Hast Du darüber nachgedacht juristisch vorzugehen?

Ja, für ungefähr 2 Millisekunden. Durch die Anonymität, derer sich bedient wurde, gibt es einfach keine Chance, die Urheber der Hasskampagne zu belangen. Und bevor ich da jetzt eine Anzeige schreibe (mit dem Wissen, dass sie in der Ablage landet), verbringe ich meine Zeit doch lieber mit schönen Sachen und trinke Kaffee.

HIG! HIV ist heute sehr gut behandelbar. Was sind aus deiner Sicht die größten Dinge mit denen Menschen mit HIV noch zu kämpfen haben?

Die Stigmatisierung. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass eine Umarmung oder Speichel das Virus sofort überträgt. Es herrscht eine irrationale Angst vor dem Virus, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Der Infektion hängt auch noch immer der Stallgeruch von „Na, im Darkroom gefickt?“ an. Sex ist immernoch tabuisiert und „schmutzig“. Selbst Ärzt*innen bekommen das ja oft genug nicht auf die Kette und bewerten das Sexualverhalten ihrer Patienten.

HIG! Dem können wir nur zustimmen. „Schuld“ und „Scham“ spielen gerade bei Sex unter Männern oft noch eine große Rolle. Deshalb kämpfen wir dafür, dass alle Menschen so sein dürfen, wie sie sind – ohne Angst vor Abwertung und Ausgrenzung – oder gar Gewalt. Was können Präventionskampagnen tun, um im Netz mehr wahrgenommen zu werden?

Mit Mems (also Bilder mit einer Caption) arbeiten, Bewegtbild, Podcasts. Auf tumblr, Instagram und Twitter teilbare Bilder. Snapchat produziert riesen Reichweiten. WhatsApp ist auch ein super Medium zum Verteilen von Informationen. Die Kampagnen, die ich kenne, sind altbacken und an der Nutzer*innenrealität vorbei.

HIG! Wir arbeiten mit öffentlichen Geldern und das setzt den meisten Kampagnen enge Grenzen in den Ressourcen. LSBT*I-Netz-Aktivisten sind auch schwer zu finden. Du verbindest beides ja so ein bisschen. Wird die Infektion deinen Aktivismus weiter verändern?

Ich arbeite ja seit Jahren im Bereich „Menschenrechte“. Als Betroffener hat sich mein Fokus aufgrund der eigenen Betroffenheit nun um das Thema HIV/AIDS erweitert und existiert neben den anderen Themen, an denen ich bereits arbeite. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, bereits existierende aktivistische Netzwerke zu nutzen und so auch dieses Thema mit den Mitteln und Werkzeugen des 21. Jahrhunderts bearbeiten.

HIG! Wie hat die Infektion dein Leben verändert?

Ich geh halt alle drei Monate zum Arzt, nehme jeden Tag meine Tablette und habe nun eine gesündere Ernährung. Es sind Kleinigkeiten die jetzt Teil meines Lebens sind. Mein Immunsystem war nie das beste und jede Erkältung macht mir nun Angst. Irgendwie funktioniert es. Muss funktionieren. 

HIG! Spielt es für Dich eine Rolle, bei wem und wie Du dich infiziert hast?

Nein, tut es nicht. Ich habe die Infektion und muss damit klar kommen (Ich hasse sie).

HIG! Wirst Du nach dieser Erfahrung anders mit deiner Infektion umgehen?

Nein. Ich habe ein starkes Netzwerk von Freundinnen und Freunden, das mich auf jeden Fall privilegiert, damit offen umzugehen. Ich habe einen festen Job, eine Wohnung und Menschen ohne Vorurteile in meinem Umfeld. Wenn ich das nicht, hätte würde ich jetzt nicht dieses Interview hier geben.

HIG! Du lebst seit kurzem wieder in Berlin. Da bist Du in guter Gesellschaft, denn in Berlin leben besonders viele Positive. Macht das die Stadt attraktiver für Dich?

Ich wohne wieder in Berlin, weil hier jeden Tag alles passiert und ich somit einfach auf meiner Couch sitzen bleiben kann, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen. Es passiert ja morgen wieder. Ich bewege mich nicht in der Szene. Ich habe einen sehr queeren Freundeskreis hier, in dem ich, so weit ich weiß, der einzige Positive bin. Das war in Hessen aber auch nicht anders, nur dass da mehr Heteros und Heteras meinen Freundeskreis ausmachen. Ich kenne bis heute nur wenig Positive Menschen persönlich. Manchmal treffe ich welche durch Zufall auf Twitter und habe da angenehme Unterhaltungen – über Essen, Musik oder Politik. Aber nicht über HIV.

HIG! Vielen Dank für diese Einblicke, Stephan.

Hier findet ihr Stephans Blog „tomate.su„, seinen Account bei Twitter und den Link zu seinem Buch „NEUSTART„.

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Demoaufruf CSD Mittelhessen 2016 in Wetzlar

10.08.2016 | 
Holger Kleinert |
csd mittelhessen plakat 2016

Der offizielle Demoaufruf zum Christopher-Street-Day 2016 in Wetzlar.

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Auch heute, im Jahr 2016, ist es wichtig, durch eine Demonstration auf die Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen, und durch eine Demonstration unseren Forderungen Bedeutung zu schenken.

In den letzten Jahren hat sich viel getan, die Ehe für Alle ist in vielen Ländern zur Realität geworden und die Adoptionsrechte für lesbische und schwule Paare haben sich auch in unseren Nachbarländern verbessert. Trotzdem stehen Deutschland, als auch viele weitere Länder, bei unseren Rechten in einem Stillstand und entwickeln sich nicht weiter.

Deswegen fordern wir…

.. die selben Rechte für jeden. Die Diskriminierung von LGBT*IQA Personen ist in Deutschland noch immer trauriger Alltag. Es gibt zahlreiche Beispiele, wie sich diese zeigt:

Der Artikel 3 des Grundgesetzes sagt aus, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, seines Glaubens und seiner religiöser und politischer Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Des weiteren dürfen Menschen mit Behinderung nicht wegen ihrer Behinderung diskriminiert werden. LQBT*IQA Personen werden nicht explizit vor Diskriminierung geschützt.
In vielen Ländern werden homosexuelle Lebensweisen strafrechtlich verfolgt. Diese Strafen fallen in unterschiedlichsten Formen aus und reichen von der Einschränkung der Meinungsfreiheit, über Geldstrafen oder langjährigen bis lebenslangen Gefängnisstrafen, bis hin zur Todesstrafe.
Transsexualität und Intersexualität werden bei der Weltgesundheitsorganisation WHO noch immer als Krankheiten angesehen.

Wir fordern, dass LGBT*IQA Personen die selben (Menschen-)Rechte zu stehen, wie allen anderen Personen auch!

.. die Ehe und des Adoptionsrechts für Alle. Wir wollen eine vollständige Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren, es dürfen aufgrund der sexuellen Identität kein minderen Rechte gelten. Wir fordern die Öffnung der Ehe, den Zugang zur Reproduktionsmedizin, als auch den vollständigen Zugang zur gemeinsamen Adoption.

… Aufklärung in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Das Wort „schwul“ wird schon vom Kindesalter an als Schimpfwort benutzt und damit mit etwas negativen assoziiert. Wir müssen anfangen, Kinder schon im Schulalter aufzuklären. Das bedeutet, LQBT*IQA Lebensweisen in Schulbüchern darzustellen, in Unterrichtseinheiten darüber zu sprechen, und diese altersgerecht in den Lehrplan aufzunehmen.

… Sichtbarkeit unterschiedlichster Lebensweisen in allen Lebenslagen. Nach wir vor werden in den Medien überwiegend junge, weiße, gender-konforme Männer gezeigt, wenn es um die Repräsentation von Homosexualität geht. Nur in selten Fällen werden lesbische oder bisexuelle Frauen, bisexuelle Männer oder LQBT*IQA Personen of Color verstärkt im Fernsehen gezeigt. Gemeinsam müssen wir darauf aufmerksam machen, dass unsere Community aus vielen verschiedenen Formen und Farben besteht und alle das selbe Recht auf Darstellung verdienen.

… das Personen, die in ihren Herkunftsländern aufgrund ihrer sexuellen Identität verfolgt werden, ein Asylrecht zusteht, auch wenn diese Länder fälschlicherweise als „sichere Herkunftsländer“ eingestuft wurden. LQBT*IQA Refugees sollten in Deutschland über sicheren Wohnraum verfügen, der sie vor weiterer Diskriminierung schützt. Außerdem sollten allen Flüchtlingen der Zugang zu medizinischer und psychologischer Hilfe zustehen.

Unterstützt uns und setzt ein Zeichen für Toleranz, Gleichberechtigung und Vielfalt bei der Demonstration zum diesjährigen CSD Mittelhessen um 12:00 Uhr am Schillerplatz in Wetzlar.

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Warum „straightacting“ gefährlich ist

05.08.2016 | 
Björn Beck |

„Straightacting“ oder „heterolike“ sind Begriffe, die immer häufiger in Online-Profilen schwuler Männer  zu lesen sind. Sie sollen beschreiben, wie männlich und stark der Inhaber des Profils doch ist.

Nun, wir sind schwul und diese männlichen Attribute sollten damit klar Bezugspunkte unserer körperlichen Anziehung sein, aber so stereotypisch?!

Es wertet aber  die Männer ab, die scheinbar weniger männlich sind. Ab- und Aufwertungen von Menschen sind leider Alltag, aber gerade wir sollten in der LSBT*IQ-Community sollten doch eigentlich wissen, dass Abwertung auch unweigerlich Gewalt bedeutet und letztendlich zu körperlicher Gewalt und Misshandlung führt. Schwule Männer, egal wie männlich sie sind (oder sein wollen), bleiben dennoch Arschficker – und wie das zwischen zwei Männern „heterolike“ sein soll, wäre eine Überraschung. Und auch da wertet es den Partner ab, der dem „Aktiven“ gestattet, seinen Schwanz reinzustecken und ihm ein geiles Erlebnis bereitet. Irgendwie verschwimmen die die Grenzen zwischen „aktiv“ und „passiv“ doch in der Praxis sehr, je nach Situation. Nicht umsonst sind „aggressive Bottoms“ besonders beliebt bei den Tops – und ein „aggressive Bottom“ ist alles andere als passiv.

Die Vermutung liegt nahe, dass in diesem Aufplustern, Muskeln zeigen und „hetero spielen“ eher ein Minderwertigkeitsgefühl schwuler Männer begründet ist, weil die heteronormartive Gesellschaft nunmal starke Männer will und keine verweichlichten, arschfickenden Schwuchteln.

Diskriminierung, Abwertung und Ausgrenzung nagen am Selbstwertgefühl. Und ein junger Mann, der feststellt, dass er anders ist als die Eltern von ihm erwarten, macht so schon in der Pubertät eine dramatische Erfahrung des Scheiterns. Oft tritt ein Teil des Umfelds dann auch noch nach, oder erschwert das äußere Coming-Out mit homophoben Sprüchen, wie wir sie alle noch vom Schulhof kennen.

Dass Homophobie schädlich ist, wissen wir, aber wieso jetzt auch „straightacting“?! Weil „strightacting“ letztlich nichts anderes ist, wie das Versteck- oder Rollenspiel vor dem Coming-Out. Emanzipation geht anders! Es sind also sozusagen „verinnerlichte Schuldgefühle“ aufgrund der eigenen Sexualität. Diese „internalisierte Homonegativität“, die der Psychologe Prof. Dr. Udo Rauchfleisch den „Feind von innen“ nannte, „entsteht aufgrund negativer Ansichten über gleichgeschlechtliche Orientierungen und Lebensweisen, wobei von der „Heteronormativität“ ausgegangen wird: Heterosexualität ist die Norm, alles davon Abweichende ist „schlecht“, „krank“, „sündig“.“

Also ist „der innere Feind“ eine Gefahr für die psychische und damit natürlich auch für die Körperliche Gesundheit. Menschen mit unbehandelten Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen sind von autoaggressivem Verhalten besonders bedroht. Und auch hier sind gerade junge Menschen besonders verletzlich: 80% der Selbstverletzungen finden bei Menschen unter 20 Jahren statt und über 24 Jahren praktisch nicht mehr. Es ist also ein Phänomen der jungen Generation.

„Studien haben erwiesen, dass sich die internalisierte Homophobie massiv und sehr vielfältig auf unsere Gesundheit beziehungsweise unser Gesundheitsverhalten auswirken kann. Dazu gehört, dass etwa das Informationssuchverhalten beeinträchtigt wird, Betroffene sich also weniger Hilfe bei Fragen rund um Safer Sex oder andere Themen suchen, die mit ihrer als „schlecht empfundenen Sexualität zu tun haben. Auch das Testverhalten ist davon konkret beeinträchtigt“, sagt Dr. Dirk Sander, Fachreferent für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben.

Damit ist klar, wer sich für seinen Sex schämt, wird damit nicht offen umgehen, Probleme ignorieren und mögliche Infektionen verschweigen. Wegschweigen kann man das Problem einer (unerkannten) HIV-Infektion allerdings nicht, damit macht man es nur noch größer. Denn die meisten Infektionen geschehen in Kontexten, wo sie noch nicht bekannt ist. Wahrscheinlich finden sehr viele sogar in der ersten Zeit der Infektion, die durch eine besonders hohe Viruslast (und damit auch Infektiosität) gekennzeichnet ist.

Deshalb ist eine diskriminierungsfreie Umgebung für eine erfolgreiche Prävention unerlässlich. „Gesellschaften, die sich erfolgreich mit Homophobie auseinandersetzen, haben größere Präventionserfolge.“ (Dr. Dirk Sander) Das Gegenteil davon erleben wir gerade in Russland. Dort infizieren sich jeden Tag 200 Menschen mit HIV, im Vergleich von 2013 zu 2014 stiegen die Neuinfektionen um zehn Prozent an, 40% durch heterosexuelle Kontakte.

Deshalb ist „straightacting“ nicht nur das Gegenteil einer wertschätzenden Selbstbeschreibung, sondern auch gefährlich aus Sicht der Prävention.

 

Den Artikel im Original könnt Ihr auf hier nachlesen.

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„Der König liest – Das Volk soll lauschen“ Ralf König liest in Darmstadt!

01.08.2016 | 
Max Friedrich |

Wir laden in Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Darmstadt und vielbunt e.V. den Comic-Autor Ralf König zu einer Lesung der besonderen Art ein. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im HoffArt-Theater, Lauteschlägerstraße 28a, Darmstadt.

Ralf König zeichnet seit über 30 Jahren Comics und betritt mit seinen bekannten Knollennasen erneut die Darmstädter Theaterbühne. Per Beamter wirft der Comic-Autor seine Zeichnungen auf die Leinwand, dazu brummt, krächzt und brüllt er die Dialoge ins Mikrofon – eine höchst vergnügliche Performance zwischen Literaturlesung und Zeichentrick.

Der GEILE! Abend findet am 19. August 2016 im Rahmen der Darmstädter Aktionswoche zum Christopher-Street Day statt und wird von Vintage Showgirl Aurora DeMeehl eröffnet. Beginn der Veranstaltung ist 19.30 Uhr, Einlass ab 19.00 Uhr. Eintritt auf Spendenbasis zugunsten der AIDS-Hilfe Darmstadt.

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Satire, oder nicht – dies war nicht die Frage!

11.07.2016 | 
Björn Beck |

Wir haben das (geplante) Motto „LIEB GEIL!“ des CSD Frankfurt 2016 kritisiert. Zusammen mit vielen anderen Gruppen, Initiativen und Vereinen der Community in Frankfurt, Hessen und auch bundesweit.

Dabei ging es uns keinesfalls um Satire oder die Frage was Satire darf und soll und wo womöglich „der gute Geschmack“ endet. Es ging uns um Geschichtsbewusstsein und darum, dass sich Menschen von diesem Motto irritiert, verletzt und ausgegrenzt fühlten.

Wir haben Ziele und Motivation des CSD-Vereins verstanden und sie zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt. Das Ziel ein Zeichen gegen immer stärker werdende rechte Gesinnungen zu setzen, sich zu emanzipieren, aufzulehnen und diese menschenverachtenden Ideologen zu verhöhnen, ist und bleibt unsere gemeinsame Aufgabe und dazu standen und stehen wir. Ebensowenig haben wir die Künstler der Frankfurter Klasse in irgendeiner Weise gewertet, oder angegriffen.

Wir haben kritisiert, dass eine Symbolik benutzt wurde, die in ihrem Ursprung (und leider bis heute andauernd) für Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt gegen Minderheiten steht. Wir sind der Auffassung, dass diese Symbolik nicht dazu dient, sie sich anzueignen und sie so inhaltlich umzuwidmen.

Die Entscheidung des CSD-Vereins sich ein neues Motto zu geben, dass die inhaltliche Ausrichtung verdeutlicht, ohne dabei Menschen zu irritieren, begrüßen wir ausdrücklich. Wir sind froh, über den konstruktiven Austausch mit den Menschen im CSD-Verein und werden in Zukunft enger zusammenarbeiten.

HESSEN IST GEIL! hat dem CSD-Verein angeboten für 2017 in einem „Community-Kongress“ mit den Vereinen und Gruppen der Community partizipativ ein starkes CSD-Motto zu erarbeiten und inhaltlich einig und kämpferisch für unsere Ziele einzutreten.

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