Corona und Covid19 – wie kann ich mich schützen?

27.03.2020 |
Björn Beck |

Das Thema Corona (Virus) und Covid19 (Krankheit) beschäftigt uns alle gerade sehr. Und die meisten Informationen sind durch die Medien schon sehr gut bekannt. Dennoch wollen wir hier eine kleine Zusammenfassung voranstellen und dann auf Fragen eingehen wie „Kann ich mich beim Sex mit Corona anstecken?“

Eine Infektion mit diesem Virus bleibt bei den meisten unbemerkt oder verläuft mit sehr milden, grippeähnlichen Symptomen. Bei älteren und Menschen mit Vorerkrankungen – besonders der Lunge – kann es zu einem schwereren Verlauf kommen. Diese schweren Verläufe können auch zum Tod führen. Alle Virusinfektionen begünstigen außerdem bakterielle Infektionen, die dann in Kombination das Immunsystem stark belasten.

Händewaschen ist ein wichtiger Schutz vor dem Erreger, denn wir fassen uns ständig unbewusst ins Gesicht. Dabei können die Viren schnell auf unsere Schleimhäute und damit in den Körper gelangen. Ein wirklich gutes Video wie man sich richtig und effektiv die Hände wäscht, hat das Klinikum Leverkusen auf YouTube veröffentlicht.

In den Medien lesen wir jeden Tag die ansteigenden Zahlen der Infektionen und der Todesfälle. Was wir nicht lesen, sind die ebenfalls steigenden Zahlen der ausgeheilten Infektionen. Heute, am 27. März 2020, haben wir knapp über 2.300 Infizierte in Hessen, 6 Menschen sind dem Virus zum Opfer gefallen, aber mindestens 19 Menschen sind wieder gesund. Deutschlandweit sind bereits mehr als 5.700 geheilt. Schade, dass wir diese guten Nachrichten nicht so prominent hören.

In der aktuellen Situation ist es wirklich wichtig, dass wir unsere persönlichen, körperlichen Kontakte reduzieren, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Das ist besonders wichtig, um die Personen mit einem größeren Risiko eines schweren Verlaufs in unserem Freundes- und Bekanntenkreis und der Familie zu schützen.

Forscher haben herausgefunden, dass die Infektion bereits übertragen wird, bevor man selbst Symptome oder Beschwerden spürt – zwei bis fünf Tage vor den ersten Symptomen. Also auch wenn im Sperma keine Viren enthalten sind, können wir uns beim Sex anstecken, selbst wenn wir uns (noch) gesund und fit fühlen. Entscheidend ist die die körperliche Nähe, nicht was wir miteinander tun. Die Deutsche Aidshilfe hat hier gute Informationen zusammengestellt.

Aber man muss auch in dieser Zeit nicht auf Sex verzichten. Ein verantwortungsvoller Umgang miteinander ist aber jetzt besonders wichtig. Sollten bei euch Symptome auftreten, wäre es gut ihr würdet die Sexpartner der letzten beiden Wochen informieren, um mögliche Infektionsketten unterbrechen zu können. So wie man es idealerweise auch bei Geschlechtskrankheiten tut.

„Ich habe gehört, dass die PrEP und HIV-Medikamente schützen. Ist das so?“
Leider müssen wir euch hier enttäuschen. Die Studien mit einem bestimmten HIV-Medikament sind nicht erfolgreich verlaufen. Corona nutzt zwar für die Vermehrung auch Enzyme, die HIV ebenso nutzt, allerdings sind das immer Virus-spezifische Enzyme. Ein Schlüssel passt eben auch nicht an jeder Tür. 

„Im Supermarkt liegt das Gemüse offen rum. Besteht da eine Gefahr?“
Auf offenen Lebensmitteln können sich tatsächlich Erreger vermehren. Bei Salaten und Gemüse ist durch die Feuchtigkeit das Klima sogar sehr gut für Keime. Wenn man auf rohe Lebensmittel und solche, die man schlecht intensiv abwaschen, oder schälen kann verzichtet, ist man schon sehr gut geschützt.

Wer ein bereits angegriffenes Immunsystem hat, kann sich beispielsweise schützen, indem man Ernährungs-Hinweise für Personen nach Transplantationen beachtet:

  • Keine Nüsse essen, weder verpackt noch unverpackt. Es kann zu Schimmelpilz-Infektionen durch Aspergillen kommen
  • kein rohes Fleisch oder Fisch essen (Tartar, Hackepeter, Sushi, Austern, Kaviar, Krabben)
  • nur frisch gemahlenen Pfeffer benutzen
  • alte Gewürze, die schon sehr lange im Schrank stehen, austauschen
  • alle schlecht schäl- und abwaschbaren Gemüsesorten meiden
  • rohe Pilze, Blattsalate, Sprossen und frische Kräuter meiden
  • Trockenobst meiden
  • rohen Schinken, geräucherten Speck meiden
  • Roh- und Frischmilch-Produkte meiden (was nicht in einer Molkerei verarbeitet wurde)
  • Schimmel- und Edelpilzkäse meiden
  • Eiswürfel aus Leitungswasser

Außerdem im Küchenbereich die Arbeitsflächen gut sauber halten, besonders nach der Bearbeitung von Geflügel, Fisch und Fleisch. Möglichst keine Holzbretter zum Schneiden benutzen, das sich hier Keime gut in die Ritzen setzen und vermehren können.

Wir werden versuchen in der kommenden Zeit verstärkt online präsent zu sein und euch in dieser Zeit auch mit ein paar Unterhaltungs- und Informationsangeboten zu versorgen. Passt gut auf euch und eure Lieben auf, bleibt zu hause und (video)telefoniert dafür. Zusammen schaffen wir das!

Auf #zusammengegencorona findet ihr weitere Tipps.

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„Ich mach’s nur safe!“ – Was an diesem Satz alles NICHT stimmt.

15.10.2019 |
Björn Beck |

Seit Anfang September wird die PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) von der Krankenkasse übernommen. Für viele ist es jetzt erst möglich diese Safer-Sex-Methode zu nutzen, denn zusammen mit den Blut- und STI-Tests kostet die PrEP etwa tausend Euro pro Jahr. Die Kostenübernahme ist also ein wichtiger Schritt für die Männer, die sich mit der PrEP vor einer HIV-Infektion schützen wollen.

Aber dieses Thema erregt auch die Gemüter in der Community und es wird hitzig diskutiert, was „safe“ ist und was nicht. Kritiker befürchten durch die PrEP eine Sorglosigkeit im Umgang mit HIV und Geschlechtskrankheiten (STI). Erstmal ist mir wichtig, dass es „safe“ nicht gibt! Und „safe“ ist nicht nur falsch, sondern aus meiner Sicht sogar verantwortlich für mehr sexuell übertragbare Infektionen, denn viele denken, dass sie mit einem Gummi beim Ficken „safe“ sind und so nichts kriegen können. Der richtige Begriff ist „Safer Sex“, also „sicherer“ als Sex ohne Schutz und bezog sich allein auf den Schutz vor HIV. Damals war es Sex mit Kondom, heute kommen auch die Schutzwirkung der HIV-Therapie und die PrEP dazu. „Safe“ ist Sex aber nie, absolute Sicherheit gibt es einfach nicht – und schon gar nicht beim Sex. Und auch Sex ohne Kondom kann also „safer Sex“ sein, das sollten endlich alle wissen und sich auch darüber freuen.

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#notjustsad – ’nicht einfach nur traurig‘: Depressionen

11.10.2019 |
Björn Beck |

Ende 2014 war der Hashtag #notjustsad ein „Trend“ auf Twitter und in anderen sozialen Medien. Betroffene über ihre Depressionserkrankungen und den Umgang damit. Unzählige Erfahrungsberichte sind so öffentlich geworden und hat das Thema Depression zumindest ein wenig aus der dunklen, schambehafteten Ecke ins Licht der Öffentlichkeit und der Beachtung gerückt.

Ich schreibe hier über das Thema, weil es uns alle betrifft – LSBTIQ aber in besonderer Weise. Psychische Erkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Selbsttötungsgedanken und problematischer Substanzkonsum sind bei LSBTIQ überdurchschnittlich häufig. Dabei ist das „Anderssein“ nicht die Ursache, sondern der gesellschaftliche Umgang damit. Diskriminierung und Gewalt machen uns Angst und Stress und die machen uns schließlich krank. Um unsere Stresslevel kurz anzuheben, reicht es schon aus, wenn wir uns kurz als LSBTIQ sichtbar und so unsicher fühlen, oder ob wir in der Öffentlichkeit unsere*n Partner*in an der Hand halten, oder gar küssen können.

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Thaly ‚Puppy Germany 2019‘ im Interview

05.10.2019 |
Björn Beck |

Zum Start einer Reihe „Fetisch und sexuelle Spielarten“ haben wir mit dem Puppy Germany 2019, Thaly aus Köln gesprochen. Seit zwei Jahren wählt die Puppy-Szene ein ‚Puppy Germany‘ analog zu den Mr. Fetisch/Leathers als Botschafter für die Community.

Puppy Germany 2019 – Thaly
(Foto: Björn Beck)

Hallo Thaly, *wuff wuff*

Du bist „Puppy Germany 2019“, der zweite in dieser Dynastie also noch ganz frisch. Wie geht’s Dir heute?

Mir geht’s ‚wuffelig gut‘, wie ich gerne sage. Mir geht’s wirklich gut, die CSD- und Pride-Saison ist gerade vorbei, Landshut war am vergangenen Wochenende der letzte deutsche CSD in diesem Jahr. Ich war als Puppy Germany auch auf vielen davon dabei, das war anstrengend, aber es hat mir einen riesigen Spaß gemacht und dementsprechend geht’s mir auch richtig gut.

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„Fortwährende Eingriffe“ – eine Lesung mit Martin Dannecker

02.07.2019 |
Björn Beck |

Wir laden Euch herzlich am Donnerstag, den 4. Juli 2019 ab 20 Uhr ins SwitchBoard (Alte Gasse 36, Frankfurt) ein, um an der Lesung des neuen Buches „Fortwährende Eingriffe“ der schwulen Emanzipationsikone Prof. Dr. Martin Dannecker teilzunehmen.

Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre kämpfte für die Befreiung der Sexualität. Mit dem Auftreten von HIV und Aids geriet sie in die Defensive. Der „Lebensstil der Homosexuellen“ wurde für die Verbreitung der tödlichen „Schwulenseuche“ verantwortlich gemacht.

Dagegen hat Martin Dannecker von Beginn an Stellung bezogen, immer wieder die dramatischen Einschnitte in die sexuelle Freiheit analysiert und dabei an seinem sexualitätsbejahenden und emanzipatorischen Standpunkt festgehalten. In der Rückschau legen die im aktuellen Buch „Fortwährende Eingriffe“ gesammelten Aufsätze, Reden und Vorträge, das im Männerschwarm Verlag erschienen ist, seine oft provokativen Eingriffe in die Debatten den Anteil offen, den HIV und Aids noch heute in den gegenwärtigen Verhältnissen haben. Sie zeigen den engagierten Wissenschaftler und Aktivisten, der sich dem Normalisierungsdruck widersetzt und die Freiräume der Einzelnen verteidigt hat.

Martin Dannecker gehört zu den Pionieren der Schwulenbewegung. Seine Studie „Der gewöhnliche Homosexuelle“ aus dem Jahr 1974 veränderte die öffentliche Wahrnehmung schwuler Männer. Von 1991 bis 2005 lehrte er als außerordentlicher Professor am Institut für Sexualwissenschaft der Johannes Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Mit seinem Werk hat Dannecker die intellektuelle Debatte um schwule Sexualität maßgeblich mitgestaltet und nachhaltig geprägt.

Da nur ein begrenztes Platzangebot zur Verfügung steht, bitten wir rechtzeitig einzutreffen.

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