Niemand spricht gern darüber, aber es würde helfen: Geschlechtskrankheiten

26.11.2018 |
Björn Beck

Ja, es ist nicht nur unangenehm, wenn man sich was eingefangen hat und noch unangenehmer, wenn man dann darüber sprechen soll. Dabei hilft es die Weitergabe wenigstens zu reduzieren, wenn man die Menschen informiert, mit denen man im entsprechenden Zeitraum Sex hatte. Niemand erwartet Freudensprünge auf die Information, dass man sich vielleicht doch mal Blut abnehmen lassen, oder einen Watteträger zum Abstrich einführen lassen sollte. Aber so kann man tatsächlich Infektionsketten unterbrechen. Wer seine Sexpartner informiert, sollte keinen Spot bekommen, sondern Vertrauen. Denn so sieht ein verantwortlicher Umgang mit Sex und Partnern aus.

„Aber ich benutze doch immer ein Gummi!“ Das ist super, aber Kondome schützen eben nur da, wo sie angewendet werden. Beim Lecken, Küssen, gemeinsamen Wichsen, sind sie ja oft noch nicht im Einsatz. Und so entpuppt sich vielleicht eine Mandelentzündung auch mal als Tripper. Für Syphilis, Chlamydien und Gonokokken reicht schon Schleimhautkontakt aus, um den Weg vom einen zum anderen zu schaffen. Kondome schützen nach Aussagen der Gesellschaft für sexuell übertragbaren Infektionen, wenn man Sex eben nicht nur auf’s Ficken reduziert, bis zu 59% vor der Übertragung. Das soll jetzt wahrlich kein Plädoyer sein, nur noch mit Gummi zu Wichsen und Blasen! Nein, ich will aber verdeutlichen, dass es uns alle betrifft, wenn wir Sex haben. Das hat auch nichts mit den Anzahl von Sexpartnern zu tun – da besteht nachher höchstens ein Zusammenhang, wie viele Menschen ich anrufen sollte.
Warum schützt es darüber zu sprechen? Weil man so Vertrauen zu seinen Partnern aufbaut und so eher auch informiert wird, wenn der andere was hatte. Dann kann man sich testen lassen und behandeln. Zum Glück sind die meisten sexuell übertragbaren Infektionen gut und einfach behandelbar und nach ein paar Tagen sind sie weg. Auch die STI-Gesellschaft und die Deutsche Aidshilfe empfehlen deshalb regelmäßige Tests, um Infektionen früh zu erkennen und zu behandeln – je nach Anzahl der Sexpartner ein oder zwei Mal im Jahr. Denn eine Geschlechtskrankheit ist keine Schande. Übrigens, fast alle Syphilis-Diagnosen im Stadium 1 werden bei solchen Routine-Checks erkannt, Stadien 2 und 3 dagegen am Häufigsten bei Männern, die mehr als ein Jahr bei keinem Test mehr gewesen sind. Ob die noch alle Sexpartner wissen, die sie dann anrufen sollten???

Und mittlerweile ist auch Hepatitis C sogar heilbar, aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

*Dieser Text ist als Gastbeitrag in der 154. Ausgabe des Lustblättchens erschienen.
Autor: Björn Beck

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