1st TakeoverFriday Mittelhessen (ToF MH)

30.03.2017 | 
Holger Kleinert |

Endlich auch in Gießen / Mittelhessen! – Der #1 TakeoverFriday Mittelhessen (ToF MH), ein integrativer Stammtisch für Lesben, Gay, Bisexuell, Transgender, Intersexuell und weitere Queers (LGBT*IQ) und deren Freund*innen, findet am 7. April ab 20:00 in dem urigen, rustikalen Ihring’s Wirtsstuben statt.
Adresse: Ludwigstraße 10, Nähe Berliner Platz, Gießen (http://www.ihrings.de/)

Vor über 10 Jahren hat Jeff erstmalig den TakeoverFriday aus seiner Heimat, dem US-amerikanischen Südstaat North Carolina, nach Mainz importiert und seither Schritt für Schritt eine tolle Atmosphäre etabliert, die bis heute viele Besucher aus der weiteren Umgebungen anzieht.

Während in Mainz somit die LGBT*IQ-Szene um ein weiteres Highlight bereichert wurde, ist sie gleichzeitig in Mittelhessen, vor allem auch in Gießen, leider irgendwie stagniert, weil die letzten lesbisch-schwulen Kneipen inzwischen geschlossen sind . Sehr Schade!
Aber wir haben nicht aufgegeben und fragen uns, ob frau* und man* vielleicht etwas daran ändern kann. Bestimmt schon! Wir, das sind Hanne und Shawn, wollen durch die erfolgreiche Erfahrung aus Mainz unsere eigene regionale Edition des Wanderstammtisches „TakeoverFriday“ in Mittelhessen einführen und mit Eurer Unterstützung zum Leben und Blühen bringen.

WEITERLESEN
Weitersagen:

HIV-Test: Schutzraum für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben

07.02.2017 | 
Holger Kleinert |

Seit Jahresbeginn wurde das mittelhessische Test-Angebot erweitert. Das Projekt „MITTELHESSEN IST GEIL“ hat schon in den Jahren zuvor speziell für schwule Männer ein HIV-Testangebot bereitgehalten. Insbesondere weil MSM in Deutschland zur größten Hauptbetroffenengruppe für HIV und STI gehören, fand bisher im Wechsel zwischen den beiden mittelhessischen Aidshilfen in Gießen und Marburg genau für diese Gruppe an den Dienstagen statt.

Das Projekt ist inzwischen so erfolgreich, dass es auch zunehmend von Menschen, die nicht zur Zielgruppe gehören, wahrgenommen wurde. Da Sexualität zwischen Männern aber immer noch sehr stark abgewertet wird und sich zudem in Mittelhessen zunehmend Menschen eingefunden haben, die wegen ihrer (Homo)Sexualität aus ihren Heimatländern fliehen mussten, fanden wir es unabdingbar dem Wunsch nachzukommen, hier einen besonderen Schutzraum für Tests zu bieten.

Aidshilfe Gießen e.V.

jeden 2. und 4. Dienstag eines Monats

von 17 – 19 Uhr, Diezstr. 8

NUR FÜR SCHWULE und andere MSM an.

Es wird an diesen Tagen streng darauf geachtet, dass dieser Schutzraum respektiert wird!

 

In der Aidshilfe Marburg e.V.

findet der Test vornehmlich für Schwule und andere MSM

an jedem 1. und 3. Dienstag eines Monats

von 18:00 – 19:30 Uhr, in der Bahnhofstr. 27 statt.

 

 

Test-Angebote für ALLE bietet die Aidshilfe Gießen e.V. an folgenden Orten an:

Praxis-Dilltal

Stegwiese 27a, 35630 Ehringshausen

Montags von 16 -18 Uhr

Raum 2.08, 2. Stock

In Kooperation mit dem LDK und der Praxis Dilltal

————–

Hans-Peter Hauschild-Haus

Diezstr. 8, 35390 Gießen

1., 3. und 5. Dienstag von 17 – 19 Uhr

Erdgeschoß

————–

Gesundheitsamt Friedberg

Europaplatz, 61169 Friedberg

Donnerstags von 16 – 18 Uhr

Raum 187a

In Kooperation mit dem Wetteraukreis

WEITERLESEN
Weitersagen:

PINK UP MY CHRISTMAS im KFZ Marburg

04.12.2016 | 
Holger Kleinert |

PINK UP MY CHRISTMAS im KFZ Marburg

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Leberwerte und der Lastschriften.

Doch in diesem Jahr wird alles anders! 2017 kann das Fest für uns alle zum
Wirtschaftswunder werden: Lifestyle-Coach Malte Anders setzt in seiner einzigartigen
Weihnachts-Show selbst dem härtesten Weihnachtsverweigerer die rosarote Brille auf
und verspricht glühende Landschaften durch „homosexuelle Kaufkraft“!

Während draußen die Temperaturen fallen, erwärmt Malte in seiner kabarettistischen
Marketingshow die Gemüter seiner Zuschauer und rollt das Fest von hinten auf:
Was machen Maria und Josef beim Scheidungsanwalt?
Was tun bei chronischer Santaclausophobie? Wie viel PS hat ein Rentier?
Und was hat ein schwuler Weihnachtsmann im Sack?

Ob Krippenspiel, Baumsuche oder Verwandtenbesuch: Malte brezelt das Fest ganz neu auf
und findet auch in den staubigsten Tradition den ganz großen Nutzen für das Allgemeinwohl.
Vergessen sie alte Weihnachtstraumata und lassen Sie sich von Malte Anders in
Weihnachtsstimmung befördern. Ein Programm, das unser Land wirtschaftlich nach
vorne bringen wird und von dem nicht nur Ihre Lachmuskeln profitieren!
Und eins ist sicher: In diesem Jahr hängt wieder mehr Lametta am Baum!

Termin:
12. Dezember 2016
Im KFZ Marburg
Biegenstraße 13, 35037 Marburg

Beginn 20:30 Uhr
Einlass 20 Uhr

Eintritt: 8 Euro zzgl. VVK

WEITERLESEN
Weitersagen:

Aufruf zur Demonstration und Kundgebung am 30.10.2016

19.10.2016 | 
Björn Beck |

Für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung

Aufruf zur Demonstration und Kundgebung am 30.10.2016

Das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“, ein Bündnis aus über 50 Vereinen und Initiativen aus Wiesbaden und Rhein-Main, tritt für die Akzeptanz der Mannigfaltigkeit von Lebensweisen in Hessen und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ein. Das Land Hessen hat im September 2016 einen Lehrplan in Kraft gesetzt, der die Verschiedenheit und Vielfalt von Geschlecht und sexueller Orientierungen anerkennt und diesen Unterschieden mit Wertschätzung begegnet. Diese emanzipatorische und freiheitliche Aufklärung befürwortet das Bündnis, denn sie befähigt junge Menschen bei ihrer sexuellen Identitätssuche Selbst-und Fremdverletzungen zu vermeiden, Selbstbewusstsein zu entwickeln und unerwünschten Übergriffen ein deutliches „Nein“ entgegenzusetzen.

Zur Unterstützung von Akzeptanz und Vielfalt gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ruft das Bündnis am 30.10.2016 zu einer Demonstration vom Wiesbadener Hauptbahnhof zum Dernschen Gelände mit anschließender Kundgebung auf. Die Demonstration beginnt um ca. 11 Uhr. Neben Redebeiträgen gibt es ab 12 Uhr auf dem Dernschen Gelände ein buntes musikalisches Rahmenprogramm.

Das Bündnis stellt sich entschlossen gegen die sogenannte „Demonstration für Alle“ (DfA), die den öffentlichen Raum am 30.10. in Wiesbaden einnehmen will. Die DfA lehnt die Sexualaufklärung in der Schule strikt ab. Die Organisator_innen der DfA wollen zurück in die 1950er-Jahre, als sich alles dem traditionellen Familienbild unterzuordnen hatte. Die DfA mobilisiert mittels gezielter Desinformation und Vorurteilen gegenüber Lesben, Schwulen, Bi und Trans*. Dem Aufruf der DfA folgen mittlerweile auch zahlreiche extrem rechte und neonazistische Gruppierungen.

Das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung tritt dem entschieden entgegen. Manuel Wüst, Vorsitzender von Warmes Wiesbaden und Mitglied des Bündnisses meint dazu: „Wir stehen nicht nur am 30.10. für eine offene Gesellschaft ein, in der Menschen einander respektieren und akzeptieren. Demokratie und menschliches Miteinander bauen auf dieser Basis auf. Aus diesem Grund ist ein gesellschaftlicher Rückschritt um Jahrzehnte nicht akzeptabel. Wir stellen uns gegen die gezielte Panikmache und erneuerte Vorurteile und werben für die Akzeptanz verschiedenster Lebensweisen. Wiesbaden ist vielfältig, dies werden wir am 30.10. beweisen.“

Weitere Informationen: www.ihr-seid-nicht-alle.de

Kontakt: Warmes Wiesbaden e. V., Breslauer Straße 17, 65203 Wiesbaden, warmeswiesbaden@googlemail.com

 

Mitglieder des Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung: AG LesBiSchwule Lehrer_innen in Hessen · AIDS-Hilfe Darmstadt e.V. · AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. · AIDS-Hilfe Wiesbaden e.V. · Aktive Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden e.V. · AKU – Arbeitskreis Umwelt · Wiesbaden · Antifaschistische Bildungsinitiative e.V. · AStA Hochschule RheinMain Chaos Computer Club Mainz/Wiesbaden · CSD Köln – Demo Team · Die Uferlosen e.V. · DFG-VK Mainz · DGB Jugend Südhessen · DGB Kreisverband Wiesbaden Rheingau-Taunus Die Bunte Nummer Wiesbaden · ERMIS-Frankfurt · Fachbereich Sozialwesen · der Hochschule RheinMain · Flüchtlingsrat Wiesbaden · Freundeskreis Frankfurter Engel gbs Mainz/Rheinhessen e.V. · Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft · Kreisverband Wiesbaden-Rheingau · Grüne Jugend Hessen · Hessen ist Geil! · Hessisches Staatstheater Wiesbaden · ILSE Gruppe Mainz-Wiesbaden (Initiative Lesbisch-Schwuler Eltern) · Infoladen linker Projekte, Wiesbaden · Jusos Hessen-Süd · Kreativfabrik Wiesbaden e.V. · Kreisverband Bündnis 90/Die GRÜNEN Frankfurt · Kreisverband Bündnis 90/Die GRÜNEN Wiesbaden · Kreisverband Die LINKE. Mainz/Mainz-Bingen · Kreisverband Die LINKE. Wiesbaden · Kreisverband PIRATEN Wiesbaden · Kritische Intervention Wiesbaden · Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden e.V. · LAG Die LINKE.queer Hessen · Landesfrauenrat Hessen · Landesverband Hessen Bündnis 90 / die Grünen · LBSK e.V. · linksjugend [´solid] Wiesbaden · LSU – Lesben und Schwule in der Union, Landesverband Hessen · LSVD Landesverband Hessen · LSVD Rheinland-Pfalz · NoFragida · our generation e.V. · Phenomenelle.de · pro familia Landesverband Hessen · pro familia Wiesbaden · Projekt 100% Mensch · PROUT AT WORK · QKreativgesellschaft · Queer Hanau e.V. · QueerNet Rheinland-Pfalz · REBELL Wiesbaden · Rosa Lüste · SCHLAU Frankfurt · SCHLAU Mainz · SCHLAU Wiesbaden · sensor Wiesbaden · SPD Kreisverband Wiesbaden · SPD-Landesverband Hessen · Stadtschüler*innenrat Wiesbaden · VelsPol Hessen e.V. · Vielbunt e.V. · Warmes Wiesbaden e.V. · Wiesbadener Bündnis gegen Rechts

header_ihrseidnichtalle

WEITERLESEN
Weitersagen:

STIRB AN DEINEM SUPERAIDS!

12.08.2016 | 
Björn Beck |

HIV hat viel seines Schreckens verloren – zumindest in Sachen Behandlung und medizinischer Erfolg. Was nicht verloren ging, sind Ausgrenzung, Zurückweisung und Stigmatisierung von Menschen, die mit dem Virus leben.

Spätestens die medizinischen Meilensteine der Therapie, Nichtinfektiösität und die daraus resultierende normale Lebenserwartung sollten HIV den letzten Schrecken genommen haben. Leider weit gefehlt!

Immer wieder gibt es haarsträubende Schilderungen, wie mit HIV-Positiven umgegangen wird. Nicht nur im Netz werden Menschen mit HIV beschimpft, beleidigt und ausgegrenzt. Einen aktuellen Fall möchten wir hier vorstellen, um an alle zu appellieren, respektvoll miteinander umzugehen. Cybermobbing und Hatespeech führen durch die Anonymität im Netz schnell zu einem Online-Psychoterror, den die Betroffenen teilweise nur schlecht, oder auch gar nicht aushalten.

Studien haben mehrfach gezeigt: Ausgrenzung, Tabuisierung und Stigmatisierung sind die größten Hindernisse der HIV-Prävention. Wir brauchen einen offenen, sachlichen Umgang mit Sex und Akzeptanz für unterschiedliche Lebenswelten und (sexuelle) Identitäten, um die Prävention erfolgreich zu machen.

 

Ein Interview mit Stephan (35) (Netz)Aktivist und Autor. Er hat 2014 die Diagnose erhalten.


HIG! Du bist im Netz als HIV-positiv geoutet worden. Was ist passiert?

Um es ganz kurz zu machen: Ein Kollektiv aus anonym agierenden Arschlöchern hat angefangen Mails zu versenden, die vor meiner Infektion mit „SUPERAIDS“ (sic!) warnen. Meine Freunde wurden gewarnt, dass sie sich nicht bei mir anstecken sollten. Meine Arbeitsstelle bekam eine ähnliche Email und zuletzt wurde noch der Chaos Computer Club, in dem ich aktiv bin, vor mir gewarnt. Dazu kamen noch Belästigungen und Beleidigungen über Twitter.

HIG! Wie fühlt man sich dabei und wie gehst Du damit um?

Ich versuche ja immer, das an mir abperlen zu lassen. Es hat mich aber dann doch hart getroffen, dass diese Menschen sich auf meinen Tod durch AIDS freuen; dass ich es verdient habe, HIV-positiv zu sein und man mir einen qualvollen Tod wünscht. Zum Glück hatte ich wahnsinnig viel öffentliche Solidarität von Freundinnen und Freunden und selbst Menschen, die mich persönlich nicht mögen, aber solche Belästigungen, egal bei wem, nicht gutheißen. 

Bildschirmfoto 2016-08-10 um 15.07.35

HIG! Im Netz sind so viele Informationen sehr einfach verfügbar. Wieso erreicht man diese Menschen mit den Botschaften und Infos aus deiner Sicht nicht?

Hast Du Dir mal die Präventionsseiten angesehen? Sie richten sich vor allem an homosexuelle Männer, die sich über ihre Sexualität klar sind. Aber was ist mit all den Jugendlichen, die sich ausprobieren? Die „experimentieren“ und sich nicht klar drüber sind, dass diese Infektion mit ungeschütztem Analverkehr übertragen werden kann?

HIG! Deshalb sprechen wir meist von „Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben“. Das ist in Deutschland die Hauptbetroffenengruppe von HIV. Männer, die sich selbst so nicht als „schwul“ definieren, sind schwer zu erreichen, weil sie damit nichts zu tun haben (wollen). Wir sind zum Beispiel auch an Cruising-Orten aktiv und bieten unsere Informationen an. Hast Du eine Idee, wie man die Männer erreichen könnte, die „experimentieren und ausprobieren“?

Ich habe natürlich kein Heilrezept für dieses Problem. Ich glaube aber, dass eine breite Aufklärung stattfinden muss, dass diese „Experimentierphase“ 1. nicht schlimm ist und 2. es egal ob man danach feststellt, hetero-, bi- oder homosexuell zu sein. Dass es nicht die „Männlichkeit“ nimmt, wenn ein Junge mit einem Jungen Spaß im Bett hat – aber dass sich beide trotzdem schützen sollten. 

HIG! Du hattest dein Testergebnis vorher bereits selbst angesprochen. Was war der Grund dafür?

Ich wollte nicht angreifbar sein. Ich bin durch meine aktivistische Arbeit eine Person des öffentlichen Lebens geworden. Spätestens seit ich mein Buch „NEUSTART“ veröffentlicht habe und den vielen Fernsehauftritten (er)kennt man mich über die Szene der Netzaktivisten hinaus. Die Veröffentlichung ist und war ein Schutz vor blöden Gerüchten etc. Immer wenn mich jemand fragt, kann ich auf meinen Blogpost verweisen und sagen: Ja, ich hab das, ich hab das doch schon lange veröffentlicht.

HIG! Das Netzt bietet denen besonderen Schutz, die es für sich zu nutzen wissen. Was rätst Du Menschen, die vielleicht nicht so gelassen auf solche Angriffe reagieren können?

Sprecht mit euren Freunden drüber. Macht die Angriffe öffentlich. Ihr werdet Solidarität erfahren und dem Hass wird viel Liebe entgegen gestellt werden. Solidarität ist eine Waffe. Wir sind doch alle gar nicht alleine. Wir sind viele und wir haben viele Supporter*innen, die sich schützend vor uns stellen, wenn wir angegriffen werden. 

HIG! Hast Du darüber nachgedacht juristisch vorzugehen?

Ja, für ungefähr 2 Millisekunden. Durch die Anonymität, derer sich bedient wurde, gibt es einfach keine Chance, die Urheber der Hasskampagne zu belangen. Und bevor ich da jetzt eine Anzeige schreibe (mit dem Wissen, dass sie in der Ablage landet), verbringe ich meine Zeit doch lieber mit schönen Sachen und trinke Kaffee.

HIG! HIV ist heute sehr gut behandelbar. Was sind aus deiner Sicht die größten Dinge mit denen Menschen mit HIV noch zu kämpfen haben?

Die Stigmatisierung. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass eine Umarmung oder Speichel das Virus sofort überträgt. Es herrscht eine irrationale Angst vor dem Virus, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Der Infektion hängt auch noch immer der Stallgeruch von „Na, im Darkroom gefickt?“ an. Sex ist immernoch tabuisiert und „schmutzig“. Selbst Ärzt*innen bekommen das ja oft genug nicht auf die Kette und bewerten das Sexualverhalten ihrer Patienten.

HIG! Dem können wir nur zustimmen. „Schuld“ und „Scham“ spielen gerade bei Sex unter Männern oft noch eine große Rolle. Deshalb kämpfen wir dafür, dass alle Menschen so sein dürfen, wie sie sind – ohne Angst vor Abwertung und Ausgrenzung – oder gar Gewalt. Was können Präventionskampagnen tun, um im Netz mehr wahrgenommen zu werden?

Mit Mems (also Bilder mit einer Caption) arbeiten, Bewegtbild, Podcasts. Auf tumblr, Instagram und Twitter teilbare Bilder. Snapchat produziert riesen Reichweiten. WhatsApp ist auch ein super Medium zum Verteilen von Informationen. Die Kampagnen, die ich kenne, sind altbacken und an der Nutzer*innenrealität vorbei.

HIG! Wir arbeiten mit öffentlichen Geldern und das setzt den meisten Kampagnen enge Grenzen in den Ressourcen. LSBT*I-Netz-Aktivisten sind auch schwer zu finden. Du verbindest beides ja so ein bisschen. Wird die Infektion deinen Aktivismus weiter verändern?

Ich arbeite ja seit Jahren im Bereich „Menschenrechte“. Als Betroffener hat sich mein Fokus aufgrund der eigenen Betroffenheit nun um das Thema HIV/AIDS erweitert und existiert neben den anderen Themen, an denen ich bereits arbeite. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, bereits existierende aktivistische Netzwerke zu nutzen und so auch dieses Thema mit den Mitteln und Werkzeugen des 21. Jahrhunderts bearbeiten.

HIG! Wie hat die Infektion dein Leben verändert?

Ich geh halt alle drei Monate zum Arzt, nehme jeden Tag meine Tablette und habe nun eine gesündere Ernährung. Es sind Kleinigkeiten die jetzt Teil meines Lebens sind. Mein Immunsystem war nie das beste und jede Erkältung macht mir nun Angst. Irgendwie funktioniert es. Muss funktionieren. 

HIG! Spielt es für Dich eine Rolle, bei wem und wie Du dich infiziert hast?

Nein, tut es nicht. Ich habe die Infektion und muss damit klar kommen (Ich hasse sie).

HIG! Wirst Du nach dieser Erfahrung anders mit deiner Infektion umgehen?

Nein. Ich habe ein starkes Netzwerk von Freundinnen und Freunden, das mich auf jeden Fall privilegiert, damit offen umzugehen. Ich habe einen festen Job, eine Wohnung und Menschen ohne Vorurteile in meinem Umfeld. Wenn ich das nicht, hätte würde ich jetzt nicht dieses Interview hier geben.

HIG! Du lebst seit kurzem wieder in Berlin. Da bist Du in guter Gesellschaft, denn in Berlin leben besonders viele Positive. Macht das die Stadt attraktiver für Dich?

Ich wohne wieder in Berlin, weil hier jeden Tag alles passiert und ich somit einfach auf meiner Couch sitzen bleiben kann, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen. Es passiert ja morgen wieder. Ich bewege mich nicht in der Szene. Ich habe einen sehr queeren Freundeskreis hier, in dem ich, so weit ich weiß, der einzige Positive bin. Das war in Hessen aber auch nicht anders, nur dass da mehr Heteros und Heteras meinen Freundeskreis ausmachen. Ich kenne bis heute nur wenig Positive Menschen persönlich. Manchmal treffe ich welche durch Zufall auf Twitter und habe da angenehme Unterhaltungen – über Essen, Musik oder Politik. Aber nicht über HIV.

HIG! Vielen Dank für diese Einblicke, Stephan.

Hier findet ihr Stephans Blog „tomate.su„, seinen Account bei Twitter und den Link zu seinem Buch „NEUSTART„.

WEITERLESEN
Weitersagen: