#notjustsad – ’nicht einfach nur traurig‘: Depressionen

11.10.2019 |
Björn Beck

Ende 2014 war der Hashtag #notjustsad ein „Trend“ auf Twitter und in anderen sozialen Medien. Betroffene über ihre Depressionserkrankungen und den Umgang damit. Unzählige Erfahrungsberichte sind so öffentlich geworden und hat das Thema Depression zumindest ein wenig aus der dunklen, schambehafteten Ecke ins Licht der Öffentlichkeit und der Beachtung gerückt.

Ich schreibe hier über das Thema, weil es uns alle betrifft – LSBTIQ aber in besonderer Weise. Psychische Erkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Selbsttötungsgedanken und problematischer Substanzkonsum sind bei LSBTIQ überdurchschnittlich häufig. Dabei ist das „Anderssein“ nicht die Ursache, sondern der gesellschaftliche Umgang damit. Diskriminierung und Gewalt machen uns Angst und Stress und die machen uns schließlich krank. Um unsere Stresslevel kurz anzuheben, reicht es schon aus, wenn wir uns kurz als LSBTIQ sichtbar und so unsicher fühlen, oder ob wir in der Öffentlichkeit unsere*n Partner*in an der Hand halten, oder gar küssen können.

Wir haben also ein dauerhaftes Grundniveau an Stress, das zu dem „normalen“ Stress dazu kommt. Unser Körper kann aber mit kurzfristigen, intensiven Belastungen besser umgehen als mit einer solchen Dauerbelastung. Auch unsere Leber steckt einen Vollrausch besser weg als jeden Tag ein Glas Wein.

Depressionen gehören zu den sogenannten affektiven Störungen also Störungen der Emotionen und damit des Wohlbefindens. Klassische Symptome sind eine gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit, ein vermindertest Selbstwertgefühl, sowie Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Dazu kommen ein Antriebsmangel, also beispielsweise morgens nicht aufstehen zu können und ein Verlust an bisherigen Interessen und eine Freudlosigkeit. Je länger diese Symptome anhalten und je mehr zueinanderkommen, desto schwerer ist der Grad der Depression. Über die Hälfte von LSBTIQ leiden unter ängstlich-depressive Symptomatik.

Was können wir tun, wenn wir Symptome an uns oder bei Menschen in unserem Umfeld beobachten? Tatsächlich hilft es vielen Menschen darüber vertrauens- und verständnisvoll sprechen zu können. Dabei fällt es vielen schwer, aktiv um Hilfe zu bitten. Sagt den Menschen, dass sie euch wichtig sind, macht Gesprächsangebote und nehmt sie ernst. Füreinander da sein, sich gegenseitig zu unterstützen, hilft nicht nur bei einer Depression, sondern auch zur Vorbeugung.

Behandeln kann man Depressionen oder depressive Episoden mit Psychotherapie und antidepressiven Medikamenten – einzeln, oder in Kombination. Hilfreich sind alle Dinge, die den betroffenen Menschen gut tun, Hobbies, Spazieren gehen, Sonne tanken, Bewegung – eben alles was ihnen Freude macht. Manchmal hilft es schon sich Zeit für etwas zu nehmen was man sehr gern tut, aber lange nicht mehr getan hat, weil es im Stress untergegangen ist.

Ihr seid nicht allein, wir alle sind direkt oder indirekt davon betroffen und sollten deshalb achtsam und wertschätzend miteinander umgehen. Und es gibt auch eine Menge Hilfsangebote, wenn ihr das Gefühl habt, es wächst euch alles über den Kopf. Beratungsstellen der Aidshilfen bieten oft eine psychosoziale Beratung an, es gibt Foren im Netz in denen man sich austauschen kann und es gibt Notdienste, wie die kostenlose Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222).

Depressionen sind keine Schwäche, schon gar nicht der Willenskraft oder des Charakters, sie sind eine Erkrankung und man muss sich nicht dafür schämen.

In diesem Sinne, passt auf euch und eure Lieben auf und geht achtsam miteinander um. Liebe Grüße, euer Björn

*Dieser Text erschien in der September-Ausgabe des Lustblättchens

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