Ob allein oder zu zweit, als Mann endet
die Lust meist mit einer Ladung Sperma. Beim einen landet es auf dem Bauch, der
Brust oder sogar im Gesicht, beim anderen in Taschentüchern oder in der Dusche.
Die einen lieben es, die anderen nicht so. Über die Funktion wissen wir seit
dem Aufklärungsunterricht in der Schule ganz gut Bescheid und deshalb will ich
hier auch gar nicht weiter darauf eingehen.
Da der männliche Orgasmus meist mit dem
Abspritzen verknüpft ist, ist dieser Saft bedeutungsvoll aufgeladen – ob das wirklich immer so sein muss, ist
nochmal ein anderes Thema. So wird die Menge und Spritzweite in Verbindung mit
der Intensität und Qualität des Orgasmus gebracht und damit als sichtbarer
Qualitätsbeweis für guten Sex. Dabei hat das nicht unbedingt etwas miteinander
zu tun.
Als ich die Geschichte las, fühlte ich mich an unzählige
Situationen aus meinem Leben erinnert. Immer wieder die Unsicherheit: Ist er
wirklich auch schwul, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich es mir so sehr
wünsche? So hoch, zu hoch, schien die Hürde, zu sagen „ich mag dich“ und sich damit auch
gleich zu outen und so angreifbar zu machen.
Mein Coming-Out war Mitte der Neunziger – in den Szene-Kneipen musste man klingeln, um
hineingelassen zu werden. Das klingt heute, wo wir heiraten können, uns eine
Fülle an Dating-Apps zur Verfügung stehen und schwule Charaktere fast zum guten
Ton jeder Serie im TV gehören, wie eine Geschichte vom Krieg.
In verschieden Netzwerken und Kontexten
prallen immer mal wieder die scheinbar gegensätzlichen Beziehungsmodelle
aufeinander und es entfachen sich zum Teil heftige Auseinandersetzungen. Das
Vorbild mit dem wir aufwachsen ist immer dasselbe: Vater, Mutter, Kind(er). Und
erstmal orientieren wir uns dann auch nach diesem Vorbild. Woher diese Norm
kommt, welche Interessen darin zum Ausdruck kommen, wird meist nicht
hinterfragt. Sogar in der Forschung zu Beziehungsmodellen zeigt sich schon in
den Fragen eine Voreinstellung, sogenannte „Bias“, die etwas über die Meinung
der Forscher*innen verraten: Begriffe wie „Fremdgehen“ oder „Untreue“ sind in
diesem Kontext tendenziös, denn in offenen Beziehungen ist Sex mit anderen ja
gerade nicht der in den Begriffen steckende Vertrauensbruch. So stehen sich
auch die Begriffe „feste Beziehung“ und „offene Beziehung“ scheinbar
widersprüchlich gegenüber.
Seit ein paar Monaten ist nun auch in Deutschland der
Selbsttest auf HIV in Apotheken und Drogerien verkäuflich, im Netz konnte man
ihn ohnehin schon länger bestellen. Bisher musste man um einen HIV-Test zu
machen zur Aidshilfe, zum Gesundheitsamt oder in eine Arztpraxis gehen. Dort
war in jedem Fall eine Beratung Teil des Procederes und auch bei der Mitteilung
des Ergebnisses war man nicht allein – besonders im Falle eines positiven
Tests. Soweit die Theorie, denn gerade Gesundheitsämter geben einem gern eine
Identifikationsnummer mit, unter der man dann telefonisch sein Ergebnis
mitgeteilt bekommt. Dann ist man im besten Fall auch zu Hause. Der Exacto-Test
trägt das Kampagnen-Logo „Kein Aids für alle“ der Deutschen Aidshilfe und ihm
liegen Informationen und Hinweise auf Beratungsstellen bei, sollte der Test
positiv ausfallen.
Wer auf Dating-Portalen unterwegs ist, findet in den Profilen immer wieder Hinweise wie „chemsfriendly“ oder „Party & play“ (PnP). Dieser Code zeigt an, dass gewünscht ist, sexuellen Rausch mit Rausch durch Substanzen zu verbinden. Allerdings können die Hinweise auch subtiler sein, wie beispielsweise die Großschreibung der Ts im TexT. Hier signalisierT der Sender, dass der Konsum von „Tina“, Crystal Meth oder chemisch: Methamphetamin gewünscht ist. Dabei ist nicht alles gleich „ChemSex“, also Sex im Rausch von Crystal Meth, Mephedron, Ketamin oder GBL/GHB. Bereits beim Konsum von Alkohol, um Schüchternheit zu überwinden, wird ein Hilfsmittel benutzt um das Verhalten so zu beeinflussen. In diesem Artikel soll der Einsatz von Substanzen beim Sex reflektiert werden und wie man sich dabei vor Risiken schützen kann. Der Konsum von Drogen birgt immer auch Risiken.